Wirtschaftsingenieurwesen

Das Studium
Als Wirtschaftsingenieur hört man Vorlesungen aus den unterschiedlichsten Bereichen: BWL, VWL, Ingenieurwissenschaften, Informatik. In den Ing.-Wissenschaften ist das Vordiplom zum Beispiel durch Maschinenbau-Grundlagenfächer wie Technische Mechanik oder Werkstoffkunde geprägt, aber auch durch Elektro-Technik-Grundlagen oder das allseits gefürchtete – aber doch eigentlich gar nicht sooo schlimme – „Stoffumwandlungen und Bilanzen“. Im Hauptdiplom hört man dann relativ frei wählbare Vertiefungsfächer; spätestens hier sitzt man mit den Studierenden der jeweiligen Fakultät zusammen in der Vorlesung, zum Beispiel mit den Maschinenbauern in Materialflusslehre.
Nicht vergessen werden darf die unheimlich starke (soll heißen, umfangreiche) „Grundlagenausbildung“ in Mathematik, Statistik und Operations Research. Bei Letzterem handelt es sich um ein Querschnittsfach, das sich mit Optimierungsmethoden befasst, die eigentlich in allen anderen Fächern angewandt werden. OR muss man auch im Hauptstudium noch in gewissem Umfang belegen, Mathematik und Statistik sind nach dem Vordiplom „überstanden“ – vieles davon braucht man aber tatsächlich in den verschiedenen anderen Fächern wieder!
Meist denkt man sich dann „Ach, jetzt weiß ich auch endlich mal, wozu das gut ist.“ oder „Hey, im Anwendungskontext versteh’ ich sogar, wie das funktioniert. Hätte ich das doch gleich gewusst!“ – Aber so ist’s halt an der Uni…
Durch die vielen verschiedenen Fächer ist sowohl der zeitliche als auch der Lern-Druck vor Klausuren vergleichsweise hoch. À propos Klausuren: 5 bis 6 Stück pro Semester sind normal. Andere Studiengänge in Karlsruhe liegen so bei 2 bis 3, in Ausnahmen mal 4. Dennoch ist das Studium gut machbar, wenn man sich ernsthaft reinhängt und bereit ist, sich auf die verschiedenen Fächer einzulassen – dabei ist es nicht immer nötig, ein Fach ernsthaft zu „mögen“, man kann sich auch einmal für etwas motivieren, obwohl man es nicht allzu spannend findet. Gerade manche der Pflichtfächer im Grundstudium lassen einen zunächst schier verzweifeln – irgendwann im Nachhinein aber freut man sich dann, sich durchgebissen zu haben, und wird manchmal schon fast nostalgisch („Wisst Ihr noch, Mathe 2?“…), wenn man sich mit Kommilitonen unterhält.
Stichwort Mathe: Mit 4 Semestern Mathe – die es wirklich in sich haben – ist das Vordiplom stark durch Mathe geprägt und man fragt sich manchmal schon fast „Was studiere ich jetzt eigentlich? W.Ing. oder Mathe?“. Da man außerdem jede noch so gute Abi-Note in Mathe nicht als Referenz betrachten kann (Hochschulmathematik hat wenig mit der bekannten Welt aus der Schule zu tun), ist ein W.Ing.-Studium (wie jedes andere Studium) in Karlsruhe nur dem anzuraten, der sich bewusst ist, dass er im Grundstudium viiiiiieeeel Zeit mit Mathematik verbringen wird, und dabei oft genug das Gefühl haben wird, dass er gar nichts weiß und es nie verstehen wird. Hier zeigt sich dann, wer sich auf den Hosenboden setzt, die Zähne zusammenbeißt, und „angreift“, statt vor der Masse an unverständlichem Zeugs zu kapitulieren. Keine Sorge, es ist nichts unmachbar hier (wer wirklich will und sich reinhängt, wird es schaffen) – nur Spaziergang ist es eben auch keiner.

Ausblick fürs Berufsleben
Was macht eigentlich ein „fertiger“ Wirtschaftsingenieur? Das genau ist die Frage, die zu stellen beim Wirtschaftsingenieurwesen vielleicht noch mehr daneben ist, als bei anderen Studiengängen – denn „den“ Wirtschaftsingenieur gibt es nicht. Schon allein während des Haupt-Studiums hat man (zumindest hier in Karlsruhe) unzählige verschiedene Möglichkeiten, sich ein eigenes Profil zusammenzustricken – jeder baut sich seinen eigenen Katalog an Prüfungen – und somit sind auch die Bereiche (Funktionen und Branchen), in denen man Wirtschaftsingenieure nach dem Studium findet, vielfältig:
Der Eine hat sich vielleicht aufs Finanz- und/oder Versicherungswesen spezialisiert und landet im entsprechenden Wirtschaftssektor, also bei einer großen Bank oder Versicherung. Ein Anderer geht ins „produzierende Gewerbe“ (in die Produktionsplanung, in den Einkauf, ins Marketing, oder ganz woanders), der Nächste wird Controller, sein Freund Unternehmensberater, etc. – die Möglichkeiten sind vielfältig, da der Ausbildungsansatz doch sehr generalistisch ist und vor allem darauf abzielt, einem beizubringen, sich immer wieder in kürzester Zeit in neue, bisher unbekannte, Gebiete einzuarbeiten. Einige Wirtschaftsingenieure bleiben auch an der Uni (in Karlsruhe oder anderswo) und promovieren, streben also einen Doktortitel an.